St. Moritz muss künftig um jeden Gast kämpfen

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Reto Mathis verlässt im Frühling 2017 die Corviglia. Das Ende des legendären Bergrestaurants „Marmite“ ist wie eine Metapher für das heutige St. Moritz. Denn die Diva unter den Schweizer Skiorten fröstelt im abgekühlten Weltklima weit mehr als vergleichbare Luxusziele. „Top of the World“? Inzwischen sei man ziemlich unsanft auf dem Boden der Tatsachen angekommen, schreibt die FaZ.  Seit dem Jahr 2008 gehe es stetig bergab. Fast ein Drittel der Logiernächte habe man eingebüßt. Gut tausend Betten verschwanden wegen Hotelschließungen in der Region. Mehr...

Mehr über St. Moritz, Badrutts Palace Hotel  und über den Wintertourismus...

Eine gute Idee hat viele Väter, lautet ein altes Sprichwort. Wer lancierte  den Wintertourismus? Die 2014 erfolgreich lancierte St. Moritzer Kampagne "150 Jahre Wintertourismus in der Schweiz" erregte  bei der Konkurrenz im In- und Ausland Aufsehen. Die Einführung der ersten Wintersaison in den Alpen wurde bisher dem berühmten St. Moritzer Hotelier Johannes Badrutt zugeschrieben (s.unten). Tiroler Tourismusfachleute widersprechen. Mehr...

Nochmals: Wer hat den Schweizer Wintertourismus erfunden? Ebenfalls Widerspruch aus Saas Fee im Wallis: Pfarrer Johann Joseph Imseng war der erste Schweizer Skifahrer - so die Legende. Mehr...

150 Jahre Wintertourismus. Der legendäre St. Moritzer Hotelier Johannes Badrutt  legte einst den Grundstein zum Schweizer Wintersport mit einer Wette! Die damals verrückte Idee hatte weitreichenden Folgen. Das ging so: Im September 1864 versprach Johannes Badrutt seinen englischen Sommergästen, dass sie bei ihrer Rückkehr im Winter die schönsten, sonnigsten Tage im Engadin erleben würden. Sollten sie enttäuscht sein, so würde er ihren Aufenthalt und die jeweiligen Reisekosten persönlich übernehmen. Dank dieser aussergewöhnlichen Wette (Version Badrutt's Palace) begeht die Schweiz in der Wintersaison 2014/15 das 150-jährige Jubiläum des Wintertourismus. In einer geselligen Runde äusserten die englischen Sommergäste im September 1864 gegenüber Johannes Badrutt ihre Bedenken, in das düstere London heimzukehren. Dem geschäftstüchtigen Hotelier kam daraufhin die alles entscheidende Idee jener Wette, welche die Engländer erneut über die Bündner Pässe ins Engadin locken sollte. Badrutt gewann die Wette und die erste Wintersaison wurde geboren – vor 150 Jahren. Soweit die Legende. Eine vertiefte Recherche dürfte vielleicht  Hinweise auf früheren Wintertourismus oder gar Wintersportaktivitäten von Gästen zu Tage fördern, etwa in Davos, im Berner Oberland, im Wallis, in Bayern und Tirol. Man darf jedoch davon ausgehen, dass die Überlieferung der Badrutt-Famllie authentisch ist.

Das Fundament für den organisierten Wintersport legte übrigens der berühmte Unternehmer und Reisepionier Thomas Cook mit einer Gruppe von elf Engländern im Juli 1863: Cook reiste mit seinen Begleitern durch die Schweiz und ahnte noch nicht, dass es ihm später immer mehr Engländer gleichtun würden. Allerdings führte diese erste Gruppenreise, deren Verlauf minutiös durch die schreibgewandte Teilnehmerin Jemime Morell festgehalten wurde, von Genf über Chamonix ins Wallis, ins Berner Oberland und in die Innerschweiz. Auftrieb erhielt der Wintertourismus auch durch den Umstand, dass immer mehr vom Nebel geplagte Grossstädter Erholung in den Alpen suchten. Besonders das trockene Klima Graubündens bewies sich schnell als attraktiver Anziehungspunkt für alle Stadtmenschen, die durch die damalige starke Luftverschmutzung durch Kohle- und Holzheizungen unter Lungenkrankheiten litten. Engländer, die es sich leisten konnten, reisten daher häufig nach St. Moritz und nach Davos, später auch ins Wallis, um die damals verbreitete Tuberkulose zu behandeln. Dokumentiert ist, dass bereits 1862 zwei Patienten in Davos Genesung gefunden hatten. Viele Jahre später, 1921, setzte Thomas Mann dem Tourismus und dem Davoser Kurbetrieb mit dem Roman "Der Zauberberg" ein literarisches Denkmal.

Quellen: PR Palace Hotel, St.Moritz, "Johannes Badrutt und seine legendäre Wette", SRF, ST