03.01.2024|Interlaken/Berner Oberland| "Touch the Mountains" Musikfestival |Andreas Ritschard ("Ritschi") samt Pop-Gruppe Plüsch feierten neben weiteren Künstlern anlässlich des Konzerts vor einheimischem und zugereistem Publikum ein eindrückliches Come-Back. Das kostenlose Event lockt zu Jahresbeginn traditionell Tausende Besucher an. Doch wie gelingt das Kunststück der Finanzierung? Mehr...
Bild: Gesangsstars Anja Haeseli (Mitte), Jörg Neubauer (links) und Andreas Ritschard (Ritschi) 19.07.2022|Thun/Berner Oberland||Thunerseefestspiele 2022, 13. Juli bis 27. August|Musical "Io senza te"
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Kommentar von artichox-Chefredakteur Christian Meyer
Keine Werbung ohne Aktion - das hat sich bei den meisten Tourismusverantwortlichen herumgesprochen. Trotzdem - das unternehmerische Engagement der Initianten, die Risikobereitschaft, aber auch der Optimismus und der Glaube an bessere Zeiten kann in diesen unsicheren Tagen nicht genug gewürdigt werden. Allen voran die beiden "Master Minds" der Show, Freddy Burger (FBM, Veranstalter) und Peter Reber (Musik/Lyrics, samt Co-Autorinnen/Autoren), aber auch das FBM-Team. Nicht zu vergessen die brillanten Darstellenden, das Orchester, überhaupt die ganz Staff, die bereits anlässlich der Vorpremiere am 11. Juli eine temporeiche, dramaturgisch einwandfreie, farbenprächtige, nahezu perfekte Show ablieferten. Sicherlich ist der langfristig touristische Nutzen der Seebühne für die Thunerseeregion und das Berner Oberland nur annähernd zu beziffern. Doch es gibt bekannte Beispiele für "Impact" in den Medien, etwa die Bregenzer Festspiele für die Bodenseeregion und das Opernfestival in Verona für die Region Garda - beide Anlässe sind zudem seit vielen Jahren feste Grössen im Sommerprogramm eines treuen Stammpublikums.
Zurück zum diesjährigen Spektakel am Thunersee: Die Drehbuchautoren von Io senza te (Blass/Huber) verzichteten auf das einfach gestrickte Held-Schurke-Happy-End-Schema, das oft den Erfolg von Filmen, aber auch von Musik-Shows garantiert. Gelegentlich fälschlicherweise als Juke-Box-Musical (Aufreihung bereits erschienener Songs) bezeichnet, handelt es sich bei der aktuellen Inszenierung von Io senza te um ein moderne Darbietung mit fliessenden Grenzen: Ein Musiktheater, das die Glamour-Elemente Glitter und Kostüme sowie Gesang, Tanz, Schauspiel und Musik in einem durchgängigen Handlungsrahmen verbindet.
Unter Mitwirkung der bereits 2015 in Zürich bei der Erstaufführung überzeugenden Interpreten der Hauptrollen Kyla (Anja Haeseli), Giò (Ritschi) sowie Dieter (Jörg Neubauer) setzt die Story auf Zwischentöne. Und auch der Humor darf nicht zu kurz kommen. Hotellerie und Gastronomie bilden gleich zweimal Schwerpunkte der Handlung: Zum einen mit dem Hotelfachschulkurs der Bahamas-Auslandschweizerin Ky, andererseits mit der "Bahamas"-Bar, die später durch Ky und Giò übernommen wird - statt ihre mit Erfolg gestartete Karriere zusammen mit Dieter als Trio weiter zu verfolgen. Mehr über die Handlung von Io senza te....
So bereiten Sie sich auf einen Musical-Abend vor. Gehen Sie nicht hin, ohne Story/Libretto und Kritiken gelesen zu haben. Mehr..
Singer-Songwriter und Verleger der Originalsongs Peter Reber (73) Foto: zvg/Diboky
Interview mit Peter Reber von Mitte Juni 2022, von Christian Meyer
"Ich bin gespannt wie ein Regenschirm“
Schirme und Regenwetter sind selbstverständlich das Letzte, was sich die Organisatoren für das Musical „Io senza te“ auf der Thuner Seebühne mit Blick auf das Bergpanorama wünschen. Das Titellied, komponiert von Peter Reber, war 1981 wochenlang in den Hitparaden und ist wohl einer der bekanntesten Hits des Berners, der auf eine Traumkarriere mit zahlreichen Auszeichnungen zurückblicken darf.
Peter Reber, von hunderten von Melodien, die Sie geschrieben haben, gelangen nun ab 13. Juli im Musical „Io senza te“ 23 Songs zur Aufführung. Wie ist Ihre Stimmung jetzt, rund 30 Tage, bevor es Ernst gilt?
Ich bin gespannt wie ein Regenschirm, wobei wir bei einer Open-Air-Aufführung natürlich gerne auf diesen verzichten möchten und auf schönes Wetter hoffen. Beeindruckt hat mich, dass fast alle, die sich schon 2020 Tickets besorgt hatten, diese nicht zurückgegeben, sondern mit Optimismus daran geglaubt haben, dass es irgendwann weitergeht und „Io senza te“ doch noch auf die Bühne kommt.
Vom Lied zum Musical ist es ein weiter Weg. Das Stück wurde bereits in anderem Rahmen im Theater 11 in Zürich aufgeführt. Wer hatte damals die Idee dafür, und wie waren Sie an der Produktion beteiligt?
Vor dreizehn Jahren lag der erste Entwurf für ein Musical auf meinem Schreibtisch. Zusammen mit Jean-Marie Fontana von Universal Music entwickelte ich die Idee weiter. Aber erst als Domenico Blass und Stefan Huber mit ”Io senza te“ eine überzeugende Geschichte vorlegten, stand der Realisation eines Musicals mit unsern Songs nichts mehr im Wege. Beteiligt bin ich als Komponist und Verleger der Originalsongs.
Wer ergriff ein paar Jahre später die Initiative für die Thunerseespiele?
2019 übernahm das Freddy Burger Management die Thunerseespiele AG. Freddy und sein Team hatten 2015/16 den Erfolg des Musicals im Theater 11 Zürich miterlebt. Das Stück wurde 2015 ja auch mit dem Prix Walo als erfolgreichste Bühnenproduktion ausgezeichnet. So war es nur naheliegend, dass „Io senza te“ auf einer grossen Open-Air-Bühne zur Wiederaufführung kommen sollte. Als Berner freue ich mich natürlich besonders, dass das Musical nun fast so etwas wie „nach Hause“ gekommen ist.
Was ist jetzt am Thunersee anders, was empfinden Sie voraussichtlich aus der Zuschauer-Perspektive?
Die tolle Naturkulisse am Thunersee ist perfekt geeignet, denn einige Szenen spielen draussen, auch auf den Bahamas. Das kommt dem Geschehen auf der Bühne natürlich sehr entgegen. Ich würde mich natürlich freuen, wenn einige Besucher als Touristen wieder an den Thunersee zurückkehren. Ich selbst bin ihm sehr verbunden, denn ich habe als kleiner Bub meine ersten Erlebnisse als „Seefahrer“ auf den schönen, alten Thunerseeschiffen machen dürfen und – ich muss es gestehen – mich vor dem lauten Hupen der Dampfschiffe immer sehr gefürchtet!
Werden die Hauptrollen neu besetzt?
Nein, und darüber freue ich mich besonders, denn Anja Haeseli, Jörg Neubauer und Ritschi haben in Zürich einen tollen Job gemacht. Für den Interlakner Ritschi wird es sogar so etwas wie ein „Heimspiel“.
Wie viele Personen kommen beim Musical zum Einsatz?
Das Publikum sieht meistens nur die Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne. Doch vor und hinter der Bühne braucht es auch Personal. Insgesamt sind etwa 150 Leute beschäftigt.
Welche weiteren Projekte stehen bei Ihnen an?
Meine letzte, grosse Tournee ging 2019/20 über die Bühne. Ich konnte sie glücklicherweise zu Ende spielen. Mein letztes Konzert war am 1. Februar 2020 im KK Thun. Ein paar Wochen später fiel der Vorhang wegen der Pandemie. Leider fiel deshalb danach auch eine ausgedehnte Auslandsreise ins Wasser. Im Moment bin ich an einem neuen „Hippigschpängschtli“ – Buch und an den Vorbereitungen für eine TV-Musiksendung.
Während fast 60 Jahren, vom ersten Berner Auftritt mit dem Trio Peter, Sue & Marc im Jahre 1968 bis heute, hatten Sie sicher spannende Begegnungen mit Musikern, Fans und Prominenten. Fällt Ihnen spontan eine lustige oder spezielle Episode ein?
Spontan fällt mir da ein Auftritt mit meiner allerersten Band ein. Ich war damals sechzehn und wir wurden für einen Ball engagiert. Als wir die Verstärkeranlage aufbauten und der Veranstalter uns blutjunge Schnösel sah, fragte er, wann denn die Musiker kommen würden. Er platzierte uns dann ganz hinten unter einem Treppenaufgang, wo man uns kaum sah und noch weniger hörte. Nach dem Anlass kam er zu uns und meinte ganz freundlich, wir wären toll gewesen und „hätten überhaupt nicht gestört“.
Sie haben auch eine philosophische Seite. Es kursieren ein paar Aphorismen aus ihrem Munde, etwa dieser: „Ich möchte jung sterben, dies aber möglichst spät“. Fällt Ihnen ein weiterer ein?
Der Spruch ist leider nicht von mir, ich habe ihn einfach irgendwo aufgeschnappt. Aber er beschreibt ganz gut, was ich im Alter bleiben möchte: nämlich neugierig. Neugierig darauf, was in der Gesellschaft, der Technik und in der Musik so alles abgeht. Und natürlich auch neugierig darauf, was meine Kinder und Enkelkinder alles noch anstellen werden. Das hält jung und gelenkig, auch wenn sich das eine oder andere Gelenk mal etwas unfreundlich meldet.
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Peter Reber, seine Karriere
- Peter Reber (73) erhielt bei den Swiss Music Awards 2016 den Outstanding Achievement Award und im Mai 2017 den Ehren – Prix Walo für sein Lebenswerk. Die Jury der Swiss Music Awards begründete die Vergabe des Outstandig Achievement Award wie folgt:
„Peter Reber lieferte nicht nur sechs Mal sehr erfolgreiche Schweizer Beiträge für den Eurovision Song Contest – aus seiner Feder stammen über eintausend Texte, Melodien und Bearbeitungen. Mehr als hundert nationale und internationale Künstler, von Volksmusikern bis zu Rockern, haben seine Kompositionen auf Tonträger veröffentlicht. Über zwei Millionen verkaufte Tonträger in der Schweiz wurden mit über vierzig Gold-, Platin-, Doppel- und Dreifachplatinauszeichnungen veredelt. Dem allerersten TV-Auftritt vor 50 Jahren (Jugendsendung Club 66) folgten zahllose weitere und an die zweitausend Auftritte führten ihn durch ausverkaufte Konzertsäle der Schweiz. - www.peterreber.ch
Weitere Informationen/Tickets/Inhalt: www.thunerseespiele.ch
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