Bild. Sie haben ein Kleinod quasi mit eigenen Händen erschaffen: Hotelierpaar André und Danielle Jaggy, Pumzika Resort, ZanzibarInterview mit André Jaggy:
"Es läuft nur mit Improvisation"Sie und Ihre Frau Danielle betreiben das Pumzika Resort an der paradiesischen Ostküste Zanzibars – mehrere tausend Kilometer von der Heimat entfernt. Wie kamen Sie dazu?
André Jaggy: Ein ehemaliger Berufskollege zanzibarischer Abstammung aus Deutschland hatte uns 2006 eingeladen, die Insel zu besichtigen. Wir waren dazumal auf der Suche nach einem warmen Flecken Erde, um uns für den Rest unseres gemeinsamen Lebens niederzulassen. Wir hatten schon etliche kleinere und grössere Länder besucht: Mexiko, Haiti, Dominikanische Republik, Ägypten, Israel, Costa Rica... doch das Land sollte sich nach unseren Vorstellungen zwischen dem 20. Breitengrad südlich und nördlich des Äquators befinden. Wir hatten insgesamt zehn wichtige Punkte fürs Leben in einem neuen Land festgehalten, welche - nach Rangordnung- erfüllt sein sollten. Zanzibar hatte einen Volltreffer. Das erste Mal, als wir Zanzibar besuchten (schreibt sich mit z), waren meine Frau und ich gleichermassen erstaunt und sofort gefesselt. Als wir das Experiment sechs Monate später wiederholten, waren wieder die gleichen Gefühle präsent: Der Duft von Gewürzen, das Chaos der Menschenmengen, die mächtigen Mangobäume, das allgegenwertige Grün!
Sie stammen aus dem Wallis, einem wichtigen Tourismuskanton der Schweiz. Sind Sie Quereinsteiger oder „gelernter“ Hotelier?
Quereinsteiger! Bis 2010, vor meinem Leben als Hotelier, war ich Professor für Tierneurologie an der Universität Bern. Alle nötigen Kenntnisse erwarb ich hier in Zanzibar durch „Learning by Doing“. Vorkenntnisse konnte ich nur beim Kochen vorweisen – das ist mein Hobby!
Was schätzen Sie am meisten an Ihrer jetzigen Tätigkeit als Hotelier?
Es ist eine schöne und befriedigende Aufgabe, als Gastgeber den Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Im Pumzika Beach Resort kann man mitten in der Natur den Alltag vergessen, am Hotelpool das süsse Nichtstun geniessen oder sich am Sandstrand beliebten Sportarten wie Kite-Surfing, Schnorcheln und Sportfischen widmen. Ausserdem kann man joggen, Tennis oder Volleyball spielen oder interessante Ausflüge unternehmen. Der Hauptort der Insel, Stone Town, und einige Naturschutzgebiete sind lohnende Ziele. Doch zurück zu Ihrer Frage: An meiner neuen Tätigkeit schätze ich besonders die unternehmerische Freiheit und die Möglichkeit, kreativ zu sein.
Aus welchen Ländern stammen Ihre Gäste hauptsächlich?
Aus Übersee, aus Grossbritannien, aus der Schweiz und aus Deutschland.
Internet und Mobile Business wird immer wichtiger – welche Werbemassnahmen treffen Sie zusätzlich?
Wir arbeiten mit Touristikern aus Europa und Tanzania zusammen. Ausserdem nehmen wir jährlich an Ferienmessen teil, vor allem in Tanzania und Südafrika.
Welche Erfahrungen haben Sie mit Buchungsplattformen und mit deren Bewertungen gemacht?
Sie bilden heutzutage das A und O – diese Absatzkanäle sind nicht mehr wegzudenken. Ohne sie könnten wir nicht überleben.
Wie haben Sie auf Ihrem Resort Ihre Trinkwasser- und Energieversorgung sichergestellt?
Wir verfügen über eine eigene Trinkwasserquelle. Das Grundwasser wird aus 1.5 km Entfernung mit einer speziellen Unterwasserpumpe via betonierter Wasserleitung zu unserem Resort transportiert. Den Strom beziehen wir zu 85 Prozent aus Solarenergie. Während der Regenzeit - zirka zwei Monate - sind wir an die lokale Stromversorgung angeschlossen
Stichwort Solarenergie: Dem Öko-Tourismus wird eine grosse Zukunft vorausgesagt. Sind Sie bereits Mitglied einer entsprechenden Vermarktungsorganisation, oder planen Sie den Beitritt?
Die Behörden von Zanzibar sind zur Zeit am Etablieren der Regeln für die Zertifizierung von sogenannten Öko-Hotels.
Wieviele Beschäftigte haben Sie, stellen Sie auch Personal aus Europa an?
Zur Zeit beschäftigen wir rund zehn Einheimische aus der Nachbarschaft und dem Festland. Anstellungen von Leuten ausserhalb von Tanzania sind kompliziert und wegen der Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen mit hohen Kosten verbunden. Volontäre einzustellen ist einfacher, da ist nur ein Visum nötig
Wie ist der Ausbildungsstand des einheimischen Personals bei der Einstellung? Müssen Sie die Mitarbeitenden selber ausbilden?
Zum Teil sind sie ausgebildet, zum grössten Teil braucht es jedoch unsere Unterstützung und Know-how.
Man darf annehmen, dass die Versorgungslage auf der Insel gut ist. Doch manchmal ist wohl auch etwas Improvisationsgabe gefragt. Können Sie ein Beispiel nennen?
Es läuft nur mit Improvisation! Macht man einen Menuplan für die ankommenden Gäste und geht nach der rund 70 Kilometer entfernten Hauptstadt Stone Town zum Einkauf - wir servieren nur frische einheimische Esswaren - kann man in der Regel ein Drittel des Menuplans neu schreiben, da die entsprechenden Zutaten „gerade an diesem Tag“ nicht vorhanden sind.
Doch die Versorgungslage ist recht gut, wenn man weiss, wo die Sachen zu finden sind. Fische und Meeresfrüchte liefern uns die einheimischen Fischer. Ansonsten gibt es weder ein gelbes Telefonbuch noch ein Inhaltsverzeichnis irgendwelcher Organisationen oder Geschäfte. Hier gilt noch das Motto: wer sucht, der findet. Mittlerweile weiss ich, wo beispielsweise frisches Gemüse und Fleisch aufzutreiben sind. Ausserdem zeigt sich die Bevölkerung auskunftsfreudig: jeder möchte gerne helfen und hat immer eine Antwort parat, meistens jedoch nicht ganz die richtige...
Sie haben drei erwachsene Söhne – wie sind Ihre Nachfolgepläne?
Nachfolgepläne gibt es keine. Wir werden uns irgendwann hier auf der Insel zur Ruhe setzten und entscheiden, wie unser Leben weiter gehen soll. Wahrscheinlich ohne Hotelbetrieb.
Vielen Dank für dieses Interview.
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Zur Person
André Jaggy (58) ist Tierarzt (Dr. med.vet., Universität Bern) und liess sich später in Georgia, USA, zum Tierneurologen ausbilden (PhD). Anschliessend habilitierte er sich in Bern als Leiter der klinischen Neurologie. Im November 2011 eröffnete er zusammen mit seiner Frau nach 2 ½ Jahren Bauzeit das
15 000 Quadratmeter umfassende Pumzika Resort mit fünf Bungalows und sieben Zimmer mit rund 20 Betten. Gebaut wurde die Hotelanlage im Stil des Landes mit einheimischen Kräften unter der Aufsicht von André Jaggy.
Pumzika Resort, Sehenswürdigkeiten auf Zanzibar
Das Pumzika Resort, direkt an der Ostküste Zanzibars gelegen, bietet einen hoteleigenen Sandstrand. Sportarten: Kite-Surfing, Schnorcheln und Sportfischen, Jogging, Tennis, Volleyball, Schwimmen im Hotelpool. Hauptreisesaisons auf Zanzibar: Juli-August; Dezember-Januar, Meerwassertemperaturen: 23-26° C, Lufttemperaturen:24-32° C. Zanzibar hat rund 1,2 Mio. Einwohner und ist seit 1964 ein halbautonomer Teilstaat Tansanias. Sehenswürdigkeiten: Täglicher Markt in Stone Town; der alte Markt und der neue Markt im Zentrum. Hier werden Früchte, Gemüse, Gewürze, Fleisch, Fisch, Geflügel gehandelt. Weitere Sehenswürdigkeiten: Die Altstadt von Stone Town mit den wunderschönen Gebäuden aus der 19. Jahrhundert, der „ehemalige“ Sklavenmarkt, der Palast des Sultans, die Gässchen mit den kleinen Läden, meistens von Indern geführt, der Zoo. Naturschutzgebiete: Changuu Island mit den Riesen-Schildkröten www.privateislands-zanzibar.com/changuu; Jozani-Chwaka Bay National Park (Red Colobus, Mangroven); Zanzibar Butterfly Center: www.zanzibarbutterflies.com; Zala Park (Reptilien, Amphibien); mit den Delphinen schwimmen gehen in der “Menai Bay Conservation area”.
Flugrouten nach Zanzibar
Weitere Links:
www.pumzikabeachresort.com
http://www.tripadvisor.com/Hotel_Review-g1025225-d2629810
http://www.tripadvisor.com/Restaurants-g482884-Zanzibar_Zanzibar_Archipelago.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Sansibar
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