Kommentar von artichox-Chefredakteur Christian Meyer
10.09.2025|Zum ausbüxen!|Berlin - München|Deutschlands Brauereien, darunter landesweit bekannte Namen, liefern Discountern unter Decknamen Billigbier in 5-dl-Aludosen. Discounter verkaufen ihren Kunden die Dosen zu Schleuderpreisen weiter, zu 45/50 Cents, manchmal noch billig. Mindere Qualität? Im Gegenteil, oft ist der Dosenbräu von beachtlicher Güte ... auf Titel wischen, klicken...
(Forts.) Das ist ärgerlich für bestimmte Verbraucher - Gerstensaft in ähnlicher Qualität wird im Tante-Emma-Laden um die Ecke (wenns denn noch gibt) viel teurer angeboten. Erst recht unbequem für die Braubranche wird das Pricing aus Sicht der Gastronomen. Fassbierpreise, in Grossgebinden wohlverstanden, bewegen sich im Vergleich zum Büchsenbier vom Discounter in astronomischer Höhe. Wie viel bezahlen Sie pro Liter Fassbier? Schauen Sie auf Ihrer Rechnung nach. Eben. Selbst die Feinverteilung an die Gastronomie in überschaubaren Mengen rechtfertigt den Preisunterschied niemals.
Manche Grosbrauereien können sich diese fragwürdige Preispolitik locker leisten, denn in den meisten Fällen werden Wirte mit allerlei Zubehör und Gratis-Schankanlagen vertraglich gebunden und gefügig gemacht. Auf diese Machtdemonstration der Konzerne mit Billig-Kastenbier antworten? Das machen manche erboste Wirte aus Protest, andere schrecken davor zurück, weil oft immer noch Qualitätsunterschiede bestehen - selbst wenn bestimmte Craft-Beers in Flaschen immer näher an Fassbierqualität herankommen. Mehr...
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Retro - 2015: Craft Beer? Brauchen wir diesen neuen Ausdruck? Die Internorga-Leitung machte bereits 2015 Craft Beer zum Thema einer Sonderschau. Doch Bier-Enthusiasten sind in zwei Lager geteilt. Neumodischer Unsinn, meinen die einen. Auf diesen Anglizismus habe man nicht gewartet. Zumal es längst einen deutschen Ausdruck dafür gebe: Handwerklich hergestelltes Bier. Handwerklich hergestelltes Bier? Da haben wirs - eine hakelige Wortkombination. Da tönt Craft Beer eben viel griffiger. Die Franzosen haben es besser. Dort ist längst ein passendes Ausdruck gang und gäbe - "bière artisanale" (handwerkliches Bier). Doch auch im französischen Sprachraum wird nach und nach die Bezeichnung Craft Beer gebräuchlich. Nicht zuletzt wegen der Einprägsamkeit des Ausdrucks und der weltweiten Verbreitung sind Befürworter überzeugt, dass sich das Wort Craft Beer über kurz oder lang auch im deutschen Sprachraum durchsetzen wird. Wie definiert einer Craft Beer, der es wissen muss?
"Früher redete man von Bier aus Mikrobrauereien, doch auch in der europäischen Braubranche bürgert sich zunehmend der englisch-amerikanische Ausdruck Craft Beer ein“, sagt Stephen Hart. Der aus Neuseeland stammende Chemiker und Gründer der Bier Factory AG in Rapperswil am Zürichsee (BF) ist alles andere als ein Quereinsteiger, wie man sie in der Szene hie und da antrifft. Als Bier-Enthusiast hat der 58-Jährige einst das Handwerk „on the job“ in grossen Schweizer Brauereien erlernt, jedoch ohne die herkömmliche Ausbildung zum Braumeister zu absolvieren. Seine Definition von Craft Beer: „Es handelt sich um ein handwerklich hergestelltes Bier, wobei es nach amerikanischer Lesart nicht zwingend um Kleinstmengen und Bierspezialitäten geht. Im Vordergrund steht der Wille des Braumeisters, ein qualitativ hoch stehendes Bier nach allen Regeln der Braukunst anzubieten“. Das pure Gegenteil davon seien die aus Grossbrauereien stammenden Massenprodukte, führt Stephen Hart weiter aus: „Dort beschäftigen sich die Brauer und Braumeister eher mit Verfahrenstechnik als mit Braukunst“. In Grossbetrieben werde möglichst wenig riskiert und ungern experimentiert – ganz im Gegensatz zu den innovativen und kreativen Craft-Beer-Herstellern, die mit Begeisterung immer wieder neue Biervarianten ausprobierten.Von einem eigentlichen Craft-Bier-Boom - trotz der Aufregung in Bierliebhaberkreisen um den Ausdruck - möchte er dennoch nicht sprechen. Das Publikumsinteresse sei indessen geweckt. So ziehe das von ihm ins Leben gerufene Craft Beer Festival im Rapperswiler Schlosshof inzwischen über 2000 Neugierige an (jeweils Ende August/Anfang September).
Was ist Craft Bier? Gar nicht so einfach zu definieren...