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Thu, Jun

Vorsicht, Umfrage

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Darf man beim Beten rauchen? Natürlich nicht! Darf man, wenn man schon raucht, dazu gelegentlich auch noch beten? Selbstverständlich. So lautet ein alter Witz über jesuitische Rhetorik. Wie gesagt, das ist nur ein Witz, doch das Exempel zeigt auf, welche Freiheiten sich Meinungsforschungsinstitute bezüglich Fragestellung herausnehmen können, wenn sie eine Kampagne gestalten. Etwas überspitzt formuliert: Mit der entsprechenden Fragestellung lassen sich nahezu sämtliche gewünschten Antworten provozieren.
In der letzten Zeit ist es bei manchen Unternehmen Mode geworden, intern gewonnene Informationen mediengerecht aufzubereiten, um damit bei der Presse Aufmerksamkeit für ihre Firma zu erheischen - ungeschminkt gesagt: Schleichwerbung zu betreiben. Nur zu gerne stürzen sich besonders in der Ferienzeit Redaktionen auf solches Zahlenmaterial, oft ohne lange nach den Beweggründen des Absenders und den Bedingungen der Umfrage (repräsentativer Anspruch, sprich Anzahl Befragte, Auswahlkriterien wie Wohnort, Einkommen, Lebenssituation, etc.) zu recherchieren. Tourismusorientierte Buchungs- und Bewertungsplattformen agieren in dieser Disziplin gegenwärtig an vorderster Front - für Fachleute oft ein doppeltes Ärgernis. Dieselben Unternehmen, welche die Gewinne der Hotelbranche durch überhöhte Provisionen empfindlich schmälern, stochern oft  auch noch in offenen Wunden herum. Wobei: Für faire Kritik sollte jeder qualitätsbewusste Hotelier empfänglich sein.
  Zurück zu den Umfragen: Eher harmlos sind solche Studienergebnisse, wenn über Alltägliches befragt oder Fakten breitgeschlagen werden, die ohnehin auf der Hand liegen. Bedenklich ist es indessen, wenn politische Parteien oder gar Regierungen bei Umfragen zu Tricks greifen, die man nur als vorsätzliche Täuschung bezeichnen kann. Forderung an die Markt- und Meinungsforschungsinstitute: Fragestellung, Anzahl Befragte, Auswahlkriterien und angewendete Gewichtung müssen zu jeder Umfrage öffentlich zugänglich sein - beispielsweise online.