(aktualisiert) 08.08.2024|aktualisiert| Zusammenfassung des Kult-Buches "Clicking" der Erfolgsautorin Faith Popcorn - immer noch brandaktuell! Vieles, was die US-amerikanische Trendspezialistin in ihrem ersten Buch 1997 (!) publiziert hat, ist heute grösstenteils immer noch gültig. Reizvoll ist auch deren Verifizierung. Welche von Popcorns Voraussagen sind tatsächlich Wirklichkeit geworden? Einige/auf Titel wischen/klicken
Clicking" - Trends für unsere Zukunft, Faith Popcorn, Heyne
von Felix Ruther
Dr. chem. Mittelschullehrer, VBG-Leiter, TMA
Vorwort zur Buchzusammenfassung
Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des gleichnamigen Buches, welches ich
gelesen habe und deren Inhalt mich in dieser oder jener Weise beschäftigt hat. Der Text
wurde nur grob korrigiert und dient mir als Gedächtnisstütze. Die Auswahl der Bücher,
die ich so zusammenfasse, ist eher zufällig und will nicht die Theologie der VBG
widerspiegeln.
Felix Ruther
Zusammenfassung
1. Der Schlüssel zur Zukunft
40'000 Amerikanerinnen und Amerikaner reagierten schriftlich auf den ersten „Popcorn
Report". Die meisten fragten auf irgend eine Weise: „Soll ich es wagen?". Diese Frage
kommt von Durchschnittsamerikanern, die das Gefühl haben, mit ihrem Leben in einer
Sackgasse gelandet zu sein - ohne zu wissen, wie es morgen weitergehen wird.
Gemeinsam war:
- Die Suche nach einem Weg, um die Frustration und die ewigen Enttäuschungen zu
beenden.
- Den Plan, alle persönlichen Hindernisse und Ängste zu überwinden;
- Die Entschlossenheit, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen und die Zukunft klar ins
Auge zu fassen.
Alles, was diese cleveren Frauen und Männer sich vorgenommen hatten, lässt sich in
einem einzigen Wort zusammenfassen: CLICK
C = Courage / L = Loslassen / I = Intuition / C = Charakterstärke / K = Know-how.
Immer wider geht es darum, was geschieht, wenn Ihre ganz persönliche Prägung, Ihre
individuelle Natur, auf ein klares Konzept für die Zukunft trifft. Bei manchen clickt es
spontan, ganz intuitiv. Das sind die Glückskinder. Bei uns Normalen geht das nicht so
rasch. Ehe es bei uns clickt, müssen wir unsere Fähigkeiten und Wünsche genau
erforschen, müssen wir die Charakterstärke haben, mutig zu agieren, wenn die Intuition
uns gewogen ist. (In der Zukunft werden zunehmend auch Dinge unsicher, auf die wir uns
bisher felsenfest verlassen konnten. Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern,
zwischen denen, die haben, und denen, die nicht haben (nicht nur Geld, auch Ausbildung
etc.) wird immer grösser werden.
Was bewährt sich auf dem Weg zum Erfolg: Click kann es nur machen, wenn wir uns nicht
nur nach hinten sondern auch nach vorne orientieren. Daher müssen wir versuchen die
Trends zu erforschen. Wir müssen alte bequeme Gedanken aufgeben (z.B. der Beruf fürs
Leben). Wichtig ist es, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und alle
Dinge im Geiste der Ehrlichkeit und mit Hingabe in Angriff zu nehmen. Dafür braucht man
Selbstvertrauen und den Glauben, dass man wirklich etwas zu geben hat. Leute, die das
haben sind mit sich und ihrer Umgebung ins reine gekommen.
Aus „The Tao of Pooh?"
Wie willst du weiterkommen, wenn du nicht weisst, wo du bist? Wie kannst du tun, was du
musst, wenn du nicht weist, was du hast? Und wenn du nicht weisst, was du tun sollst von
allem, was vor dir liegt, dann ist, was du hast, wenn du fertig bist, nur ein Durcheinander.
Es zeigt dir nicht, was alles an Gutem möglich ist, Wenn man weiss, was man will: das Wo,
Was Wie.
Darum geht es in diesem Buch. Es soll helfen das Wo, Was, Wie zu erkennen, damit es
auch beim Leser clickt.
2. Warum man sich auf diese Trends einstellen sollte
Für Marktorientierte ist die Kenntnis der Trends von unschätzbarem Wert. Wenn sie
wissen wollen, ob sie im Trend liegen (oder ob eine Geschäftsidee tragfähig ist), lautet
unsere Faustregel, dass mindestens vier der aufgeführten Trends zutreffen müssen.
Übersicht
1.Leben im Kokon Hier geht es um unser Bedürfnis, uns vor den unerfreulichen,
gefährlichen, unvorhersehbaren Realitäten der Welt da draußen zu schützen und
abzuschotten.
2. Clanning: Hier geht es um unseren Wunsch, zu einer oder mehreren Gruppen von
Gleichgesinnten zu gehören, die gemeinsame Ideale vertreten und uns in unseren eigenen
Grundüberzeugungen bestärken.
3. Fantasy-Abenteuer: Zur Erholung vom Alltagsstreß suchen wir etwas Nervenkitzel bei
risikoarmen, aber trotzdem aufregenden Unternehmungen: beim Reisen, beim Essen und
in der virtuellen Realität.
4. Geniessen? Jetzt erst recht!: Wir Konsumenten sind die Einengung durch Vorschriften
und Regeln aller Art leid und stürzen uns - in einer Art Befreiungsschlag - in heimliche
Orgien.
5. Kleine Genüsse: Weil alles immer teurer wird, suchen wir gestreßten Konsumenten
nach Möglichkeiten, uns mit erschwinglichem Luxus im kleinen selbst zu belohnen.
6. Die Suche nach Halt und Sinn: Wir suchen nach unseren geistigen Wurzeln in der
Vergangenheit und übernehmen alles Bewährte, um für die Zukunft gerüstet zu sein.
7. Ichbezogene Wirtschaft (Egonomics): In einer Zeit, in der alles steril, normiert und
computerisiert ist, entsteht der Wunsch nach etwas Individuellem, nach einer ganz
persönlichen Note. Firmen oder Service-Anbieter, die dem Ego ihrer Kunden schmeicheln
und die Außerordentliches bieten, sollten großen Erfolg haben.
8. Weiblich denken: Eine neue, am weiblichen Denken orientierte gesellschaftliche Werte-
konstellation, die auch im Marketing zu einer Verschiebung führt: weg vom
zielorientierten, hierarchischen Denken, hin zu einem prozeßorientierten, familiären, auf
Anteilnahme und Mitwirkung setzenden Modell.
9. Mannzipation: Emanzipation des Mannes, neues Denken für den Mann. Eine offene
Einstellung, die mehr kennt als nur Geschäft und Karriere, die auf Warmherzigkeit und
individuelle Freiheit setzt.
10. 99 Leben auf einmal: Ein mörderisches Tempo und ständiger Zeitmangel zwingen uns
eine große Rollenvielfalt auf. Wir müssen ständig vieles auf einmal erledigen und haben
an unserem High-Tech-Lebensstil schwer zu tragen.
11. Aussteigen: Berufstätige Frauen und Männer, für die Karriere um jeden Preis keinen
Wert darstellt, entscheiden sich für einen einfacheren, erfüllteren Lebensstil.
12. Gesund und lange leben: Immer mehr Menschen wird bewußt, daß ein neuer,
ganzheitlicher Ansatz für unser Wohlbefinden ihr Leben bei guter Gesundheit beträchtlich
verlängern kann. Dadurch verbessert sich auch die Lebensqualität insgesamt.
13. Länger jung bleiben: Die nostalgische Sehnsucht nach einer unbeschwerten Kindheit
bringt Spaß und Trost in unser oft allzu ernstes Erwachsenenleben.
14. Der wahrhafte Verbraucher: Die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie frustrierte, oft
verärgerte Verbraucher durch Druck, Protest und Politik Einfluß auf den Markt nehmen
können.
15. Gegen die Grossen: Durchschnittsamerika und darüber hinaus große Teile der Welt
werden von einem Soziobeben erschüttert, das die „Stützen der Gesellschaft" in
Wirtschaft und Politik als Vorbilder in Frage stellt und zurückweist.
16. S.O.S. - Rettet unsere Gesellschaft: Wir müssen unser soziales Gewissen wieder
entdecken, eine Verbindung von Umweltbewußtsein, Moral, Leidenschaft und Mitleid. Nur
so kann unser gefährdeter Planet gerettet werden.
1. Trend - Leben im Kokon
Einst haben wir unser Haus zum Kokon gemacht, weil wir Lust dazu verspürten. Heute tun
wir es aus Angst. Es ist fast schon unmöglich, ohne Anspannung vom einen Kokon zum
anderen zu gelangen. Wenn wir uns nach draußen wagen, dann nur mit Sorgfalt und
Umsicht. Jene Orte in unserem I.eben, an denen wir uns einst sicher fühlten, sind so gut
wie verschwunden. Wenn Sie sich vergegenwärtigen wollen, wie sich dieser Trend im Lauf
der Zeit verändert hat, dann stellen sie sich eine Schildkröte vor, die vorsichtig unter
ihrem Panzer hervorlugt. Anstatt neugierig und unternehmungslustig in die Welt zu
blicken, ist sie mistrauisch und ängstlich. Beim ersten Anzeichen einer Gefahr zieht sie
sich in ihren Panzer zurück. (Sicherheitsindustrie)
Der mobile Kokon: Das Auto (grosser Zuwachs an Diebstahlsicherungen).
Kokon-Atmosphäre am Arbeitsplatz: Egal, wie und warum man sich um Wohnlichkeit
bemüht, eines ist klar: Alles, was mit dem trauten Heim zu tun hat, ist heutzutage Click-
verdächtig. So chaotisch und unberechenbar die Verhältnisse der Außenwelt auch sein
mögen, unser Heim, unser Kokon, soll gemütlich und gut ausgestattet sein. Für
Renovierung geben wir rekordverdächtige Summen aus. Auch die Umsätze für
Gartenprodukte legten stark zu. Gartenarbeit ist für Kokon-Bewohner die perfekte
Freizeitbeschäftigung.
- Einkaufen zu Hause.
Fazit: Gleich, ob wir uns aus Angst oder auf der Flucht vor Streß in die eigenen vier Wände
zurückziehen, der Trend dahin ist ungebrochen.
2. Trend - Clanning
Wir schließen uns mit jenen zusammen, die unsere Interessen teilen. Unsere Ideen.
Unsere Ziele. Unsere Hingabe. Sehen Sie in diesem Trend einfach die Kehrseite von
Egonomics, der ichbezogenen Wirtschaft. Anstatt vorrangig zu beharren: „Ich bin ein
Individuum", sagen wir als Clan-Mitglieder: „Ich bin Teil einer Gruppe und stolz darauf.
Ich gehöre dazu." Wenn man bedenkt, wie nachhaltig der Trend zum Leben im Kokon
Amerika verändert hat - und noch verändert -, ist das eigentlich nicht überraschend. Bei
allem Kuscheln in der Sicherheit unseres Heims haben wir doch auch das Bedürfnis nach
Außenkontakten. Wir wollen uns mit Menschen zusammentun, die uns ähnlich sind. Man
kann den Trend zur Gruppenbildung auch so sehen: Er ist eine Gegenbewegung zur Hektik
und Aufsplitterung unseres Lebens. Wir muten uns ständig zu viel zu. Doch je
fragmentierter unsere Identität wird, je zersplitterter sich unsere Tage gestalten, desto
grösser wird unser Bedürfnis, zu uns selbst zu kommen. Etwas für uns zu tun. Uns als
Teil eines „Wir" mit Gleichgesinnten zusammenzufinden. Mit Freunden, die ähnliche
Ansichten und Bedürfnisse haben.
Feierabendclans: Stammtische und Salons
Wenn man sich in seinem Kokon völlig abkapselt, kann das Leben schon recht einsam
werden. Daher brauchen wir ein Schlupfloch, eine tragfähige Verbindung zur Außenwelt.
Clanning nach Feierabend ist die perfekte Antwort. An einem vertrauten Ort, wo man sich
kennt und zwanglos miteinander reden kann. Ein Stammtisch, eine Eckkneipe oder ein
Sportverein. Genauso freundlich und sicher wie zu Hause.
Genesungsclans - Therapie in Selbsthilfegruppen
Virtuelle Clanbildung im Cyberspace
Clanning in der Firma: Im Hauptquartier von Microsoft sind die Grenzen zwischen Arbeit
und Familienleben bei manchen schon weitestgehend verschwunden. Wir meinen aber,
daß Clanning in Firmen nur dann eine Überlebenschance hat oder gar noch stärker
werden kann, wenn tiefere emotionale Bindungen hinzu kommen. Manager werden sich
der Loyalität ihrer Mitarbeiter nicht mehr durch finanzielle Belohnungen versichern,
sondern durch echte Freundschaft. Nur so kann die Belegschaft zu einer Familie werden.
Wer zusammen spielt, bleibt auch bei der Arbeit leichter zusammen.
Die Zukunft des Clanning:Unterstützung. Verbindung. Intimität. Heilung. Bewußte Wahl
der Freunde und Wohngenossen. Zusammenpassen. In diesen Schlüsselbegriffen zeigt
sich, daß wir in unserer Kultur Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Gruppenwärme haben.
Nach Werten, die im isolierten Kokon nicht gedeihen können. Der Wunsch nach
Gemeinschaft ist wie ein Sog. Im nächsten Jahrzehnt wird er noch stärker und
ausgeprägter werden.
3. Trend - Fantasy-Abenteuer
Da sitzen wir also in unserem Lieblingssessel und stellen uns vor, was wir am liebsten
täten und wohin wir am liebsten fahren würden ... wenn wir nur nicht gerade so gemütlich
dasäßen. Doch so ist das. Der Trend zum Fantasy-Abenteuer hat mehr mit den
Höhenflügen der Phantasie zu tun als mit dem echten Risiko eines realen Abenteuers.
Und das kann man kaum besser ausdrücken als Thornton Wilder: „Wenn du sicher zu
Hause sitzt, sehnst du ein Abenteuer herbei. Doch wenn du mitten im Abenteuer steckst,
dann wünschst du dir nichts sehnlicher, als zu Hause in Sicherheit zu sein." Es geht um
den wohldosierten kleinen Nervenkitzel. Etwas Neues soll es schon sein, aber allzu weit
wollen wir nicht vom vertrauten Pfad abweichen. Wir wollen gefährlich leben, aber
trotzdem pünktlich im eigenen Bett aufwachen und nicht zu spät zur Arbeit kommen. Das
perfekte Fantasy-Abenteuer wird es erst geben, wenn die virtuelle Realität daheim Einzug
gehalten hat: Erst dann können Sie im Sessel sitzen bleiben und trotzdem auf Safari nach
Afrika gehen. Wesen und Reiz des Fantasy-Abenteuers liegen darin, daß es letztlich
ungefährlich ist. Und flüchtig. Anfang und Ende müssen vorhersehbar sein. Bei diesem
Trend kann es um etwas so Unbedeutendes gehen wie einen Hauch Exotik beim
indonesischen Essen. Rollerblads; Wachstumsraten der Sportindustrie; Mountainbiken;
Erfolg des Landrover; hinaus in die Wildnis; Wildwasserfahrt; Cyberspace;
Computerspiele; Vergnügungsparks; Indoorhallen fürs Skifahren ...
Was nun verbindet alle Aspekte des „Fantasy-Abenteuer"-Trends? Wir wollen und können
dem allzusehr Vorhersehbaren entfliehen. „Warum eigentlich nicht?" oder „Was wäre,
wenn ...?" Mit diesen Fragen beginnt häufig der erste Schritt zur Veränderung des Status
quo. In den „Fantasy-Abenteuer"-Trend kann man sich am leichtesten einclicken, indem
man eine stinknormale Umgebung einfach um etwas Aufregendes bereichert. Etwa ein
aufregendes Herren-Parfüm entwickelt.
4. Trend - Geniessen? Jetzt erst recht!
Schluß mit der ewigen Vernunft! Dieser neue Trend, „Genießen? Jetzt erst recht!",
bedeutet, daß wir die Nase voll haben von Askese und Zurückhaltung im Namen von
Gesundheit und korrektem Verhalten. Als Konsumenten sind wir bereit, willens und in der
Lage, uns an der Suche nach dem Vergnügen zu beteiligen, die jetzt angesagt ist. Nicht die
harmlose, reine Seite des Vergnügens - nein, die dunkle, trotzige Variante ist gemeint.
Trotzig rauchen wir wieder, kommen wieder auf die härteren Getränke zurück, streichen
uns dick Butter aufs Brötchen und führen unsere Pelzmäntel spazieren. Warum diese
recht destruktive Haltung? Weil wir es ernsthaft versucht haben: Wir wollten vorbildlich
leben, gesund und umweltbewusst, und doch ist in unserem Leben nichts besser
geworden. Immer noch werden Leute arbeitslos. Die Jugend nimmt immer noch Drogen.
Und so sind wir innerlich mächtig geladen. Wir sehen einfach nicht mehr ein, warum wir
uns weiter Zuruckhaltung auferlegen sollen. Unser Heiligenschein hat ausgedient. Nach
Jahren der Askese heißt das Motto plötzlich: „Lass die Sau raus!" Wir versuchen nicht
mehr, uns selbst etwas vorzumachen. Nein, tief im Innern ist uns immer noch deutlich
bewusst, daß alles, was wir tun, Folgen hat. Für uns und für andere. So ist denn auch ein
gewisser Schuß Fatalismus im Spiel. Denn wir mußten erkennen, daß immer noch
Schreckliches geschehen kann, selbst wenn wir alles richtig machen, selbst wenn wir
vorbildlich leben.
Ständig suchen wir nach Auswegen und Abkürzungen: Wir wollen einen gesunden Körper,
aber schweißtreibend soll die Sache nicht werden. Wir wollen auf die schlanke Linie
achten, aber beim Essen tüchtig zulangen.
5. Trend - Kleine Genüsse
Wir wollen uns nun für alles, was wir durchgemacht haben, ein wenig belohnen. „Wir
haben's verdient." Das galt für „Genießen? Jetzt erst recht!" Aber es gilt auch für „kleine
Genüsse". Denn das Motto „Gut zu leben ist die beste Revanche" motiviert uns auch hier.
Wo also liegt der Unterschied? Sind nicht ein Steak und ein gutes Glas Wein auch kleine
Genüsse"? Ja, sie sind es. Aber das emotionale Umfeld ist ein anderes: Bei „Geniessen?
Jetzt erst recht!" sind wir im Grunde verärgert und haben uns bewußt entschieden, mal
etwas „Böses", Ungesundes, Verpöntes zu tun, trotzig „die Sau rauszulassen". Bei „kleine
Genüsse" genehmigen wir uns hin und wieder etwas Ähnliches, nur tun wir es wesentlich
gelassener und entspannter. Wir verwöhnen uns, weil wir mit uns zufrieden sind.
Die Wurzel dieses Trends liegt letztlich in einem tiefsitzenden Gefühl, zu kurz gekommen
zu sein. Aufgewachsen sind viele von uns mit der Überzeugung, „Lebensqualität" sei
etwas, das sich automatisch von Generation zu Generation stei-gere. Irgendwie ging es
immer nur aufwarts. Doch dann wurde ohne Vorwarnung das stillschweigende
Versprechen, es werde uns noch besser gehen als unseren Eltern, gebrochen. Sang und
klanglos wanderten die rosigen Zukunftsperspektiven auf den Müllhaufen der Geschichte.
Auf einmal war unser Arbeitsplatz nicht nur viel stärker gefährdet als der unserer Eltern,
verdienten wir plötzlich auch weniger als sie, zusätzlich gerieten auch noch andere
Gewißheiten ins Wanken z.B. daß unsere Fähigkeiten am Markt weiterhin gefragt seien
und daß die zweite Hälfte des Wortes „Geschaftsmoral" noch irgendeine Bedeutung habe.
Ist es da ein Wunder, daß wir uns Hals über Kopf in die „kleinen Genüsse" stürzten?
Schon seit erdenklichen Zeiten müssen wir unsere Seele beruhigen, indem wir uns etwas
Neues kaufen. Wir sind traurig und wütend. Und wir nehmen uns das Recht, dem
gequälten Ego etwas Gutes zu tun. Immer noch am leichtesten ist dann die orale
Besänftigung: Wir müssen uns nur etwas Gutes in den Mund stecken (Essen boomt,
Delikatessengeschäfte, der kleine Luxus bei den Kleidern ist in, Blumen sind der kleine
Genuss par excellence).
Trotz hoher Arbeitslosigkeit, trotz abenteuerlich schwankender Börsenkurse, trotz neuer
Rezessionsprognosen ist der Trend „Kleine Genüsse" ungebrochen. Letztlich ist er eine
Art Netz unter dem Drahtseilakt unserer Ängste. Balsam für die Seele. Der Gedanke, daß
wir als Menschen einfach das Recht haben, uns gelegentlich selbst zu verwöhnen, hat sich
in unseren Köpfen festgesetzt. Und so ist das Ganze zu einem beträchtlichen
Wirtschaftsfaktor geworden.
6. Trend - Die Suche nach Halt und Sinn
Unsere Gesellschaft sucht nach Halt. Sie treibt dahin. Auch wenn uns auf den Wassern
des Lebens der Sturm zerzaust, können wir unseren Geist erneuern, indem wir uns an die
Rettungsleine Hoffnung klammern. Hoffnung ist unser Anker im Leben. Sie gibt uns Halt
und Sicherheit, sie bewahrt uns vor dem Schlimmsten. Und sie erhält unsere
Grundüberzeugungen aufrecht. Nach ein oder zwei Jahrzehnten des Materialismus und
der Rücksichtslosigkeit halten wir Ausschau nach einfachen Antworten, nach inneren
Werten. Diesen neuen Trend zur Innerlichkeit nennen wir „Die Suche nach Halt und Sinn".
Im Kern geht es um eine Suche nach den Werten der Vergangenheit, die auch heute noch
Bestand haben und die uns somit in die Lage versetzen, uns den Unwägbarkeiten der
Zukunft zu stellen. Fit für alles, was kommen wird. Wir fragen nach dem Sinn des Lebens.
Die großen Fragen, auf die es keine endgültige Antwort gibt, werden wieder einmal
gestellt. Warum gerade jetzt und nicht schon früher? Weil wir uns gerade jetzt kollektiv
bemühen, in der Vergangenheit, in unseren Erinnerungen tragfähige Lösungen zu finden,
die uns helfen, das tägliche Chaos zu meistern. Vielleicht spielt auch das magische Datum
der Jahrtausendwende eine Rolle. Welch ein Grund zum Feiern! Aber auch welch ein
Grund zu Einkehr und Besorgnis! Ein neues Jahr, ein neues Jahr- zehnt, ein neues
Jahrhundert und ein neues Jahrtausend - alles auf einmal . . .
Die Spiritualität ist erneut ins Zentrum gerückt. Betrachten Sie die spirituelle Suche
einfach als konzentrierte Anstrengung, als Suche nach etwas Ungreifbarem, das wir
verloren hatten, aber jetzt wiedergefunden haben. Unvorhersehbare Gnade? Halt findet
man nur in größeren Zusammenhängen. Von einem warmen und gemütlichen Plätzchen
aus können Sie die Sterne betrachten und hoffen, Trost bei einer höheren Macht zu finden.
Lord Tennyson, der große viktorianische Dichter, hat's gewußt. „Werft all Eure Sorgen auf
Gott", schrieb er, „dieser Anker hält."
Rekordbesucherzahlen in den Gottesdiensten (USA); „Die Prophezeiungen von Celestine"
sind ein Renner; Afro-Amerikaner feiern wieder ihr Kwanzaa-Fest; Yoga boomt.
Bei den spirituellen Erweckungsbewegungen unserer Zeit geht es mindestens ebenso um
Buddha, Allah, Brahma, höhere Mächte und Selbsterfah- rung wie um den Gott des Alten
oder Neuen Testaments. Noch mehr als auf die gregorianischen Gesänge schwören viele
Menschen auf die budhistische Litanei „Om Mani Padme Hum", ein Mantra, das immer
und immer wiederholt wird.
Wenn Sie nicht auf diesem Weg zur mystischen Einheit gelangen wollen oder wenn Sie
beim Yoga nicht lange genug still sitzen können, versuchen Sie es doch einmal mit einem
Gebetsspaziergang. Wenn Sie beim Wandern beten, bauen Sie Ihren Streß ab. Ganz gleich,
ob Sie lebhaft ausschreiten und dabei lange Gebete sprechen oder einfach nur vor sich
hinsagen „Dein Wille geschehe" - Ihre Gedanken werden emporgehoben, Ihr Kreislauf
kommt in Schwung.
Engel sind wieder in, auch ihre dunklen Kollegen, die Dämonen ... Hexerei, Vampire etc.
Wer in der jenseitigen Welt keinen Halt findet, sucht ihn in der Vergangenheit. Die
Genealogical Society berichtet, dass so viele Menschen wie nie zuvor nach ihren Vorfahren
forschen.
Wir leben in einer Zeit spiritueller Umwälzungen und religiöser Wiedergeburten. Einer
Zeit, die Wegweisung und Halt in der Vergangenheit sucht, um die Zukunft und ihre
unbekannten Herausforderungen bewältigen zu können. Doch eines ist anders als bei
früheren Erweckungsbewegungen: Es besteht nur wenig Übereinstimmung darüber, wer
oder was Gott ist, was als Gottesdienst gelten kann und was nicht, und welche Bedeutung
die alten und neuen Rituale für die künftige Richtung unserer Zivilisation haben werden.
Nachdem die Seele in den achtziger Jahren kaum eine Rolle spielte, geben wir uns heute
alle Mühe, unser Alltagsleben wieder mit Leidenschaft und Sinn zu erfüllen. Die alten
Werte stehen wieder hoch im Kurs: Glaube, Nächstenliebe, Hoffnung. Wir suchen nach
dem inneren Zentrum unseres Selbst, der Seele. Wir suchen überall nach dieser letzten
Gewißheit und nehmen sie, wo wir sie finden können. Was stört es uns, wenn dabei ein
buntes spirituelles Gemisch entsteht? Ein russisch-orthodoxes Kirchenlied zum Essen,
ein Zauber auf dem Dach, der das Haus vor Blitzschlag schützen soll, Kontaktaufnahme
mit den Verstorbenen, Gedanken an die Wiedergeburt.
7. Trend - Ich bezogene Wirtschaft (Egonomics)
Bestimmender Faktor bei diesem Trend ist das Ich: Ich beanspruche auf meine Person
zugeschnittene, individuelle Leistungen und Waren. Schließlich bin ich keine anonyme
Zahl. Ich bin ich, und ich verlange einen persönlichen Service. Wenn Sie sich als Anbieter
in diesen Trend und in diesen Markt einclicken wollen, haben Sie hier die besten Chancen,
den Kunden persönlich zu erreichen. Sie müssen sich nur auf seine individuellen
Bedürfnisse einstellen und an den Individualismus appellieren, an jenen Teil des
menschlichen Bewußtseins, der sagt: „Kein zweiter ist genau wie ich." Egonomics - das
ist die Integration von Geschäft und persönlichem Leben. Nehmen Sie nur die
Öffnungszeiten der Läden. Die Amerikaner haben sich langst an einen 24-Stunden-Tag
gewöhnt. Sie wollen zu jederTages- und Nachtzeit einkaufen oder etwas essen können.
Im Zeichen von Egonomics heißt es: Keine Nische ist zu klein. Wenn Sie mit Ihrem Waren-
oder Dienstleistungsangebot nur ein kleines Segment der Bevölkerung erreichen, diese
Leute aber zu treuen Kunden machen, haben Sie Ihr Ziel erreicht. Jeder Kunde wünscht
sich, überall mit der gleichen Aufmerksamkeit bedient zu werden. Und wenn Sie sich
diese Mühe machen, können Sie lebenslange Stammkunden gewinnen.
Ein weiterer Trick der ichbezogenen Wirtschaft besteht darin, altvertraute Wege zu
verlassen und dorthin zu gehen, wo man den umworbenen neuen Kunden vermutet, um
ihn dann konzentriert den Verlockungen auszusetzen. Bekanntermaßen gehen die 18 bis
35jährigen Kunden nicht mehr gern in die großen Einkaufszentren und Kaufhäuser.
Deshalb entschloß sich Calvin Klein, sein neues Unisex-Parfüm „CK One" in den USA
landesweit in den Tower-Schallplattenläden anzubieten. Was kommt als nächstes?
Fettarmer Joghurt im Sportwarengeschäft?
Der Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, die künstlerische Selbstverwirklichung, hat viel
mit Egonomics zu tun. Denn in einer Welt, die stän-dig mit Informationen bombardiert
wird und die in einer Anzeigenflut zu versinken droht, bietet die Kunst vielleicht die beste
Möglichkeit, „zu sich selbst zu finden". Wie könnte man seine persönliche Sicht der Dinge
und seine Visionen besser ausdrücken als mit Pinsel, Meißel, Töpferspachtel oder gar auf
der Bühne? Vor fünf Jahren wollte anscheinend jeder Kontakt zum „Kind in seinem
Innern" aufnehmen; heute ist es eher der „Künstler, der in uns steckt". Kunst ist nicht
mehr nur etwas für wirklich Begabte. In den künstlerischen Kursangeboten der Volks-
hochschulen tummeln sich die Hobbykünstler. Neben einem gewissen Können braucht
man nur genügend Selbstbewußtsein.
Egonomics hat auch mit Selbstdefinition zu tun, Selbstbewußtsein, Selbstverwirklichung.
Es ist, als wollten die Leute das graue Einerlei ihres Lebens überwinden. Firmen und
Individuen, die sich diesem Konzept widmen und die mit ihren Wirtschaftsaktivitäten ihren
Kunden das Gefühl vermitteln, daß sie etwas wert sind, ihre Individualität gesehen und
beachtet wird, kurz: die am Markt das Ego des Kunden pflegen, werden Erfolg haben.
Also: Egonomics!
8. Trend - Weiblich denken
Frauen sind anders als Männer. Weder überlegen noch unterlegen - einfach anders.
Wir sagen nicht, daß Sie eine Frau sein müssen, um „weiblich" denken zu können. Sie
müssen nur offen sein, die Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Mentalität
zur Kenntnis nehmen und lernen, in der Praxis damit umzugehen. Sie müssen Frauen
anders ansprechen als Männer. Wir nennen diesen neuerdings klar zu identifizierenden
Trend, auf die Unterschiede von Mann und Frau einzugehen,"Weiblich denken". Wir haben
mehr als tausend Personen beiderlei Geschlechts interviewt und ihnen nur folgende
einfache Frage gestellt: „Wenn Sie mit einer Person des anderen Geschlechts
zusammengelebt und /oder zusammengearbeitet haben, würden Sie sagen, daß diese
Person in wesentlichen Punkten anders denkt als Sie?" 99 Prozent der Befragten
antworteten ohne zu zögern mit „Ja".
Frauen nehmen überall Kontakt auf, sie knüpfen überall Verbindungen: im Taxi, in der
Schule, auf dem Spielplatz, im Supermarkt, im Laden. Alles wird ihnen zur persönlichen
Erfahrung. Für Erfolg auf der Basis dieses Trends ist es von zentraler Bedeutung, daß Sie
eines ganz klar erkennen: wie Sie Ihre Kundinnen ansprechen, wie Sie an Frauen
verkaufen, kann genauso wichtig sein wie das, was Sie verkaufen.
Was mit „weiblichem" Denken gemeint ist, wird noch klarer, wenn wir es mit
Gegenbegriffen kontrastieren. „Weibliches" Denken ist neues Denken, das mit dem
hergebrachten „alten", männlichen Denken nicht zu vereinbaren ist. „Altes Denken" - das
ist die Art und Weise, wie die Geschäfte in Wirtschaft und Politik bisher fast ausschließlich
geführt wurden. Altes Denken liegt dem „alten" Weltbild zugrunde. Demgegenüber stellt
das „weibliche" Denken einen Neuansatz dar, der die Zukunft bestimmen wird, weil dieses
neue Denken unsere Probleme eher lösen kann als das alte.
Altes „männliches"- neues „weibliches"Denken:
- hierarchisch - Teamwork, familiärer Ausgleich
- braucht Antworten - will die richtigen Fragen
stellen
- Identifizierung mit der - Identität verteilt sich
jeweiligen Rolle auf mehrere Rollen
- eindimensional - berücksichtigt viele Aspekte - widersetzt sich dem - sucht den Wandel
Wandel
- die Erreichung des - der Weg ist wichtiger
Ziels geht vor
- transaktionsorientiert - beziehungsorientiert
Heue können wir kaum noch ein medizinisches Jurnal aufschlagen, ohne auf neue
Entdeckungen auf dem Gebiet der Denk- und Wahrnehmungsunterschiede zwischen
Männern und Frauen zu stoßen. Aus einem Bericht: Weil verschiedene Teile des
weiblichen Gehirns anders entwickelt sind, verfügen Frauen über eine bessere sinnliche
Unterscheidungsfähigkeit. Frauen können einen traurigen Gesichtsausdruck nicht nur
besser beurteilen als Männer, sie müssen sich dabei auch weniger anstrengen. Die
neurologische Forschung hat etwas bewiesen, was wir schon immer gewußt haben:
Frauen sind emotionaler, aufmerksamer, einfühlsamer. Geben Sie daher den Versuch auf,
die Welt davon zu überzeugen, Männer und Frauen seien im wesentlichen gleich, sondern
betonen Sie statt dessen die Bereiche, in denen Frauen anders sind.
So benutzen Männer die Sprache, um ihre Unabhängigkeit und ihre Stellung innerhalb der
Gruppe zu bewahren, Frauen um Verbindungen zu schaffen und ein enges Verhältnis
herzustellen. Hillary Clinton ermutigte Frauen an einem Treffen für „weibliches" Reden,
sich auf die Macht mündlicher Erzählungen zu besinnen.
Manchmal wird von der weiblichen Intuition sehr negativ gedacht und gesprochen, als
handele es sich dabei nur um etwas ganz und gar Unlogisches und Verrücktes. Es geht
aber letztlich nur um eine unterschiedliche Wahrnehmungen. Frauen erkennen
Zusammenhänge oft intuitiv, weil sie besser zwischen den Zeilen lesen, zwischen den
Worten hören und ganzheitlich denken können. Sie können Greifbares und Ungreifbares
zusammenbringen.
Der Wechsel zu mehr weiblichem Denken wird sogar eine Abkehr von den eingefahrenen
Wegen und damit neue Erfolgschancen mit sich bringen. Die Standard-Intelligenztests
werden gegenüber Tests der emotionalen Intelligenz an Boden verlieren: EQ statt IQ. Und
damit sind emotional sta- bile Qualitäten gemeint, wie Kooperationsbereitschaft, die
Fähigkeit, Ärger unter Kontrolle zu halten, persönlicher Charme und Entschlossenheit.
Auch die Schulen werden dahinkommen, dass Emotionen ebenso wichtig sind wie Noten.
Doch ein Aspekt kann gar nicht oft genug betont werden: Sie müssen keine Frau sein, um
„weib-lich" zu denken. Diese Denkweise ist nicht geschlechtsgebunden, sie fällt nur den
meisten Frauen von Natur aus wesentlich leichter als Männern. Ein Verständnis
„weiblichen" Denkens ist der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg in den kommenden
Jahrzehnten.
„Weibliches" Denken enthält eine soziale Komponente. Wer heute und morgen Erfolg
haben will, muss mehr soziales Engagement zeigen: Geschäftsunternehmen müssen sich
sozialen Institutionen annähern, und diese wiederum müssen stärker nach
wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten. Vom Standpunkt „weiblichen" Denkens aus ist
völlig klar, daß die Markentreue der Kundinnen so gut wie garantiert ist, sobald die Firma
durch soziale Aktivitäten zeigt, daß sie nicht nur an Profit interessiert ist. Denn Frauen
möchten gern sicher sein, daß ihr Geld einer Firma zufließt, die auch eine Seele hat. Und
diese zeigt sich beispielsweise darin, daß notleidende Frauen und Kinder unterstützt
werden.
An die Stelle des Geschlechterkampfes - Männer gegen Frauen - müssen andere
Denkformen treten. Ohnehin verläuft die Front im Denken eher zwischen
althergebrachten hierarchischen Prinzipien und „weiblichem" Denken in größeren
Zusammenhängen. Das „weibliche" Denken geht weit über den Kampf um
Gleichberechtigung hinaus. Die Forderung lautet vielmehr, die Unterschiede zwischen
Mann und Frau als naturgegeben anzuerkennen, ohne daraus unangemessene
Schlußfolgerungen zu ziehen.
9. Trend - Mannzipation
„Mannzipation" ist ein von uns geprägtes Wort, mit dem wir einen Trend bezeichnen, der
sich noch im Anfangsstadium befindet. Gemeint ist die Emanzipation des Mannes - und
damit die Kehrseite des Trends „Weiblich denken". Mit diesem Begriff identifizieren wir
den „neuen Mann" der neunziger Jahre. Den Mann, der sich von den Macho-Fesseln
befreit hat. Der sich nicht mehr nur distanziert, isoliert, abgehoben und unromantisch
gibt. Der nicht mehr nur analytisch und strikt in geschäftlichen Kategorien denkt. Der
nicht mehr meint, immer, aber auch immer stark sein zu müssen, damit sich andere bei
ihm anlehnen können.
So wie „Weiblich denken" den Frauen die Freiheit gibt, nach ihren Prinzipien zu handeln
und wirtschaftlich tätig zu werden, macht „Mannzipa-tion" die Männer frei, komplette
Menschen zu sein. Dinge auch einmal leichter zu nehmen, Gefühle zu zeigen und zu
experimentieren. Sich zu etwas „Unmännlichem" hinreißen zu lassen. Sich vom Beispiel
anderer Männer auf unbekanntes Terrain locken zu lassen.
Dass „Mannzipation auf dem Vormarsch ist, belegen zahlreiche Statistiken. So wurde
festgestellt, dass 80% der Männer eine aktivere Rolle bei der Kindererziehung spielen
wollen als ihre Väter. 57% der männlichen Beschäftigten eines Chemiegiganten
wünschten sich bei der Arbeitszeit mehr Flexibilität, um mehr Zeit für die Familie zu
haben; vor fünf Jahren waren es noch 37%. Oder denken Sie an die 3,5 Millionen Vollzeit-
Hausmänner in Amerika.
Waren Männer früher herzlich und alles andere als dominant, wurde es fast immer
missverstanden und als Schwäche ausgelegt. Heute aber gilt jener, der die Familie in den
Vordergrund stellt als wahrhaft emanzipierter Mann.
Wenn der althergebrachte Geschäftsstil stark von strenger Ordnung und starren
Hierarchien geprägt ist, dann dürften farbenfrohe, sehr offenen Büros eine
„Mannzipations"-Firma charakterisieren. Dort gibt es dann keine äußerlichen
Statussymbole der Macht. Keine Titel an den Türen. Keine großen Büros mit polierten
Holzschreibtischen, deren verschlossene Schubladen Wichtigkeit und geheime
Unterlagen signalisieren.
„Mannzipierte" Männer sind keine Schwächlinge, abr auch keine Machos.
Erfolgversprechend ist also alles, was dazu beiträgt, daß Männer bei Männern, Frauen
und Kindern gleichermaßen wohlgelitten sind. Männer, die ihre diversen Rollen im
Gleichgewicht halten können. Männer mit guten Manieren, die Frauen die Tür offen
halten. Die aber auch einkaufen gehen und gelegentlich einmal kochen.
„Mannzipation" ist nichts anderes als eine offene Grundeinstellung, die auf Individualität
Wert legt. Bei Männern, die sich des eigenen Wertes bewußt sind und die nicht erst
anfangen wollen zu leben, wenn sie pensioniert sind. „Mannzipa-tion" bedeutet auch das
allmähliche Ende alter Klischees. Etwa für die ungeschriebene Regel, daß Männer sich
nur die Hände schütteln, sich aber nicht umarmen oder küssen. Oder daß Männer eben
Geburts- und Hochzeitstage grundsätzlich vergessen. Schluß damit! Der „mannzi-pierte"
Mann darf alles.
10. Trend - 99 Leben auf einmal
Dieser früher recht stürmische Hochspannungs-Trend, „99 Leben auf einmal", hat sich
etwas gelegt. Er kommt jetzt weniger beängstigend daher und läßt sich leichter unter
Kontrolle halten. Über seinen Grundgedanken, daß wir zu wenig Zeit und zu viele
Aufgaben haben, daß wir in all der Hektik zu wenig zu uns selbst kommen, herrscht
ohnehin weitgehend Einigkeit. Für Millionen ist das Gefühl, vom Terminkalender
tyrannisiert zu werden, zu viel um die Ohren zu haben und sich ständig abzuhetzen,
fundamentaler Bestandteil ihres High-Tech-Lebens. Neu ist an diesem Trend heute, wie
selbstverständlich wir uns dem anpassen, was die Soziologen einen „zeitlich
komprimierten Lebensstil" nennen. Heute starrt kein Mensch mehr Leute an, die im Zug
auf ihren Laptop einhämmern oder mitten auf der Straße Anweisungen in ein Handy
brüllen. In den kommenden Jahren wird der Trend „99 Leben auf einmal" weiteren
Aufwind erleben. Alles wird noch schneller werden. Wir werden uns weiterhin auf alles
stürzen, was uns Zeit spart und die Kommunikation erleichtert und beschleunigt.
Es gibt aber auch eine starke Gegenreaktion. Sie zeigt sich u.A. daran, daß Freunde, die
früher stolz darauf waren, umfassend informiert zu sein, heute achselzuckend bekennen:
„Ich kann einfach nicht alles lesen". Es herrscht das überwältigende Gefühl: „Es reicht
schon längst. Weg mit all diesen Belästigungen!" Umfassend informiert zu sein, erfordert
einfach zu viel Energie. Wollen wir unsere geistige Gesundheit erhalten, lautet die
wichtigste Herausforderung der nächsten Jahre: Wie werden wir mit der Informationsflut
fertig, und wie beherrschen wir die Kommunikationsmittel, anstatt uns von ihnen
beherrschen zu lassen? Längst schießen bereits Firmen mit Namen wie „Internet
Navigators" aus dem Boden, weil wir das starke Bedürfnis verspüren, uns auf der
Datenautobahn einer kompetenten Führung anzuvertrauen. Dieser ganze Bereich ist
Click-verdächtig. Die besten dieser neuen Berater helfen Ihnen nicht nur bei der
Herstellung von Verbindungen, sondern raten Ihnen auch, wann Sie am besten
abschalten. In einer bekannte Firma herrscht jeden Vormittag zwischen zehn und elf
„Ruhezeit". Alle Telefone werden abgestellt, und bei allen Kopier- und Faxgeräten wird
der Stecker herausgezogen. Diese eine Stunde ist die produktivste des ganzen Tages. Auf
Hawaii gibt es einen Anti-Tech-Kurort, wo Sie in den Ferien konsequent vor allen
Belästigungen durch Fax, Telefon, Fernsehen und Zeitung abgeschirmt sind. Dann haben
Sie Zeit für große Ideen, weil Sie sich konzentrieren können und nicht ständig von
Kommunikationsgeräten terrorisiert werden.
Während wir uns dem Jahr 2000 nähern, wird die Zeit immer hektischer und schneller.
Alles, was möglich ist, um unser Leben zu vereinfachen und auf Kurs zu halten, um den
Streß zu reduzieren, wird großen Erfolg haben.
11. Trend - Aussteigen
Dieser geruhsame Trend basiert auf der Erkenntnis, dass Lebensqualität wichtiger ist als
der Titel an der Bürotür. Daß man langfristig glücklicher wird, wenn man seine Arbeit
gern tut - und nicht nur um des Geldes willen. Heute, da allenthalben fusioniert und
bereinigt, gesundgeschrumpft und verschlankt wird, befinden sich viele der besten und
hellsten Köpfe im Big Busineß auf dem Sprung. Sich selbständig machen heisst die
Devise. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie selbst gekündigt haben oder gehen mußten,
solange Sie nur lächelnd und mit positiver Motivation aus der Sache hervorgehen.
„Aussteigen" ist vielleicht kein besonders gutes Wort, denn wir meinen keine Null-Bock-
Mentalität, keine Existenzen am äußersten Rand der Gesellschaft. Wir haben sogar
überlegt, ob wir diesen Trend nicht umbenennen sollten, etwa in „Alternative Optionen".
Denn es geht immer um die Entscheidung, einem langweiligen Job, einer schlechten
Nachbarschaft, einem unzureichenden Schulsystem und anderem mehr bewußt den
Rücken zu kehren. Ganz besonders aber um die Entscheidung, sich von einer
Konzernmentalität zu lösen.
Immer häufiger treffen wir auf Aussteiger, die sich ihren Herzenswunsch erfüllen. Es gibt
sogar eine Zeitschrift, die sich dem Thema „Neue Prioritäten im Leben" widmet: „Weniger
konsumieren, das Leben mehr genießen!" Dieser Lebensstil hat viele Anhänger. Ihr Motto:
bewußte, freiwillige Schlichtheit und Bescheidenheit.
Oft gründen Aussteiger Kleinunternehmen, sind ihre eigenen Chefs und haben einfach
Spass an der Sache. Mehr als 15 Prozent aller Arbeitskräfte in den USA arbeiten für sich,
auf eigene Rechnung. Bei der weit überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um
Einpersonenbetriebe, die zu Hause agieren.
In diesen Trend der Rückkehr zum einfachen Leben, zu den alten Tugenden der
Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit paßt auch ein Experiment, das die Citibank für
kleine Geschäftsleute in die Wege geleitet hat: das neue „Character Loan"-Programm.
Kredite bis zu 50000 Dollar, das Startkapital für so manchen Traum vom Aussteigen,
werden auf der Basis der Einschätzung Ihres Charakters durch Ihren Zweigstellenleiter
gewährt. Bisher wurden schon 10 Millionen Dollar an 460 Kleinfirmen von „gutem
Charakter" verliehen, und erst zwei dieser Kredite (in einer Gesamthöhe von 30000 Dollar)
mußten letztlich in den Wind geschrieben werden. Eines aber ist ganz sicher: Weite
Bevölkerungskreise sehnen sich nach einem unkomplizierteren, glücklicheren,
geradlinigeren und persönlich befriedigenderen Leben. Umtriebige, windige
Geschäftemacherei ist out.
Der englische Dichter John Donne hat es vor Jahrhunderten schon wunderbar zum
Ausdruck gebracht: „Sei dein eigener Palast, sonst wird die Welt dein Gefängnis." Um
beim Aussteigen Erfolg zu haben, müssen Sie Ihren eigenen Überzeugungen vertrauen
und mutig danach handeln.
12. Trend - Gesund und lange leben
Hier geht es darum, dass eine alternde Bevölkerung versucht, immer älter zu werden. Es
geht um richtige Ernährung, um körperliche Bewegung, um die richtige
Meditationshaltung. Es reicht aber nicht mehr, nur älter zu werden, die Lebensqualität
soll auch besser werden.
Unserer Ansicht nach hat diese neue Betonung der gegenwärtigen Lebensqualität viel
damit zu tun, daß wir einfach kein Vertrauen mehr in die Zukunft haben. Umwelt,
Wirtschaft und Politik - alles ist fragwürdig geworden. Oder, wie jemand neulich
sagte:„Das Leben ist zu kurz, als daß man schlechten Wein trinken sollte."
Schizophrenie beim Essen: Gesund und doch fettig. Dennoch wird eine neue
Verbrauchergeneration vielleicht schon bald verlangen, die Zusammensetzung aller
Nahrungsmittel offenzulegen. Wir werden immer mißtrauischer, wenn es ums Essen und
um die Herkunft unserer Nahrungsmittel geht.
Die Gesundheit in die eigenen Hände nehmen: Jeder therapiert sich selber; Sucht alles
selber zu diagnostizieren. Die Heilkraft der Natur: Misstrauen gegen die Apparatemedizin;
Homöopathie, Bachblüten, Akupunktur, Aromatherapie; Verdoppelung der Vegetarier;
Fitness-Center; Wasser wird in Flaschen gekauft (Quellwasser für Hunde).
Der Fortschritt der Medizin bringt aber auch neue Entscheidungen mit sich:Wären Sie zu
einer Abtreibung bereit, wenn Sie wüßten, Ihr Ungeborenes trüge das Gen für eine
schwere Krankheit in sich? Oder für massive Verhaltensstörungen? Mit solchen Fragen
können Sie im nächsten Jahrhundert Ihre schlaflosen Nächte verbringen. Neue
Forschungsergebnisse können ein Segen sein, aber auch Ängste wecken.
Vitalität des Gehirns: Schon seit Jahren beobachten Ärzte eine Gruppe pensionierter
Nonnen aus Minnesota, aus deren Mitte viele über hundert Jahre alt werden. Bisher
wurde bei den Untersuchungen festgestellt, daß die Nonnen mit Collegeausbildung, die
unterrichten oder auf andere Weise geistig aktiv sind, länger leben als jene, die nur
Handarbeiten verrichten.
Sind wir als ganze Gesellschaft hoffnungslos depressiv geworden? Sieht es nicht so aus,
als käme es mehr darauf an, unsere gute Stimmung zu heben als Kinder aufzuziehen?
Allein 1995 kamen drei neue Antidepressiva auf den Markt. Monatlich verzeichnen die USA
fast eine Million neuer Pillenschlucker. Innerhalb von fünf Jahren wurden die Amerikaner
buchstäblich zur „Prozac-Nation". Die Zahl derjenigen, die schon bei der ersten echten
Krise in ihrem Leben (etwa, wenn eine stürmische Beziehung nach drei Jahren in die
Brüche geht) zur Pille greifen, anstatt Schmerz und Wut, die mit der Trennung
einhergehen, zuzulassen und zu verarbeiten, ist eindeutig zu hoch.
13. Trend - Länger jung bleiben
Die dumme Ermahnung, sich endlich wie ein Erwachsener zu benehmen und nicht wie ein
ewiges Kind, hat keine Bedeutung mehr.„Länger jung bleiben" - damit ist gemeint, daß
man sich um „altersgemäße" Verhaltensregeln einfach nicht mehr kümmert. Heute gibt
es achtzigjährige Marathonläufer. Und Senioren, die sexuell aktiv und stolz darauf sind.
Von den amerikanischen Collegestudenten sind über 2 Millionen älter als 35 Jahre. 8%
Prozent sind sogar älter als 55. Der perfekte Tummelplatz für Verjüngungsfans ist indes
der Sport. Die Alten trainieren eisern.
Auch die Sprache zeigt, wer sich betont jugendlicher gibt. Früher, in der guten alten Zeit,
als Erwachsene noch Erwachsene und Kinder noch Kinder waren, besaß jedes
Lebensalter seine eigene, klar erkennbare Sprache.
Auch bei den Kleidern verwischen sich die Altersgrenzen: Eltern kleiden sich immer
häufiger im Turnschuhlook der Teenager.
Zur Konfusion der Zeitebenen und Altersbegriffe trägt auch bei, daß wir uns immer länger
an die Popstars von gestern klammern. Es treten kaum neue, jüngere Stars an ihre Stelle.
Nostalgie ist jedoch nur ein Aspekt des Trends. Letztlich geht es weder darum, das eigene
Alter zu ignorieren, noch dagegen anzugehen, vielmehr wendet sich der Trend gegen
stereotyp „alters gemäßes" Verhalten. Wer alt ist, muß sich deshalb noch nicht wie ein
Alter benehmen. Der Trend hat im wesentlichen mit sich wandelnden Erwartungen,
Träumen, Wünschen und Visionen zu tun. Man muß weiterhin bereit sein, sich zu
verändern, zu wachsen und „ja" zu sagen zum Leben mit all seinen Möglichkeiten. George
Eliot: „Es ist niemals zu spät, das zu werden, was du hättest sein können."
14. Trend - Der wehrhafte Verbraucher
Wir lassen uns nicht mehr für dumm verkaufen. Wir sind entschlossen, unsere Interessen
wahrzunehmen und zu schützen. Und wehe der Firma oder Gruppe, die versucht, uns
übers Ohr zu hauen! Und dabei handelt es sich nicht nur um jene wütende Minderheit, die
mit geballten Fäusten protestiert. Denn die wehrhaften Verbraucher sind weit verbreitet.
Mißtrauen und Unzufriedenheit nagen in uns allen. Im Grunde geht es immer um ein und
dasselbe: Mangel an Vertrauen. Wehrhafte Verbraucher mißtrauen den Motiven, den
Verkaufsstrategien und den Spitzenmanagern der Unternehmen. Wir sind es leid, immer
wie der mit teuren Anzeigen voll falscher Versprechungen umworben zu werden. Und
wenn wir Aufkleber mit der Aufschrift „Neu" oder „Jetzt noch besser" sehen, bleiben wir
skeptisch.
Ein offenkundiges Merkmal der Verbraucher in den neunziger Jahren: Sie sind im
höchsten Maße ungeduldig und im Nu auf hundert.
Welche Lehren kann man daraus ziehen? In allen Sparten des Geschäftslebens gehören
gute Kundenbeziehungen heute und künftig zu den wich- tigsten Aktivposten. Es lohnt
sich und zahlt sich langfristig immer aus, jeden einzelnen Kunden zu umwerben. Hat der
Kunde das Gefühl, nicht freundlich und aufmerksam bedient zu werden, sperrt er sich.
Und einen solchen Kunden dann zurückzugewinnen, fällt jeder Firma später schwer -
wenn es überhaupt gelingt.
Beschreiben Sie aus eigenem Antrieb den Weg der Integrität. Seien Sie aufrichtig und
geben Sie Ihre Fehler zu. Ehrlichkeit ist die beste Politik. Und wenn Sie sich sozial
engagieren, verschweigen Sie es nicht. Sie können dem wehrhaften Verbraucher auch
entgegenkommen, indem Sie eine Art Kummerkasten aufstellen oder - zeitgemäß - eine
kostenlose Telefonleitung einrichten.
15. Trend - Gegen die Grossen
Als wir eines Morgens aufwachten, waren all unsere Freunde geschieden. Sie fuhren nicht
mehr in den Club Med, sondern in einen Ashram. Sie gingen nicht mehr zum Arzt, sondern
zur Akupunktur. Die gute alte Telefongesellschaft Bell war zerschlagen, PanAm und
Eastern hatten sich einfach in Luft aufgelöst. Und als die Sowjetunion zerbrach, die
Berliner Mauer fiel, da hatten die Vereinigten Staaten ihren jahrzehntelangen Erzfeind
verloren. Niemand glaubte mehr an Gott. Es war nichts mehr wie früher.
Wir nennen den Trend, der sich hier manifestiert, „Gegen die Großen", das Soziobeben der
neunziger Jahre. Dieser Trend verändert das Main-stream-Amerika, ja sogar die ganze
Welt nachhaltig. Ständig und auf breiter Front werden die Stützen der Gesellschaft in
Frage gestellt und zurückgewiesen. Wir glauben einfach nicht mehr, daß man so
weitermachen sollte wie bisher. Wem oder welcher Institution kann man noch trauen,
wenn man den Glauben an Regierung, Konzerne und Verbände, an Ehe, Religion und
Erziehung, an Medizin und Werbung, an das Einzelhandelssystem und an die Familie
verloren hat? Es gibt keine Helden mehr.
Und wir sind nicht mehr länger brave Schafe. Wir folgen den alten Autoritäten und den
herkömmlichen Spielregeln nicht mehr ungefragt. Wir kaufen nicht mehr nur
Markenartikel. Je größer die Verpackung, desto größer unser Mißtrauen. Und wir sind
nicht nur mißtrauisch geworden. Und wer kann uns diesen Vertrauensschwund
vorwerfen? Wir haben genug schlechte Erfahrungen gemacht. Alles, wovon man dachte,
es werde überdauern und wäre morgen auch noch da, erwies sich plötzlich als gar nicht
so dauerhaft. Auch das Vertrauen in die Sicherheit des Arbeitsplatzes und der eigenen
Zukunft ist auf einen Tiefpunkt gesunken. Die Denkmäler stürzten - und mit ihnen die
Überzeugung, die sie überhaupt erst zu Denkmälern werden ließ. Und allmählich
dämmerte uns, daß hier etwas gewaltig schieflief, und zwar nicht an der Oberfläche,
sondern tief im Innern unserer Gesellschaft.
Auch Familien und Schule sind nicht mehr das, was sie einmal waren. An vielen Schulen
herrschen die drei Gs: Gangs, Guns, Getting high - Banden, Waffen, Drogen.
Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als die Kirche ein unangefochtener, geheiligter Bereich
war? Heute steht insbesondere die katholische Kirche in vielen Ländern in der Kritik. Und
so ist eine weitere Gewißheit dabei zu zerbrechen. Wenn sie nicht schon zerbrochen ist.
Wohin wir auch schauen, die Großen wanken, die Stützen der Gesellschaft stürzen vom
Sockel, die Ikonen zerbrechen. Allgemein geht es bei diesem Trend um das Scheitern von
Glaubenssystemen und Institutionen, die seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten unser
Denken und Leben prägten. Doch wo Schatten ist, muß es auch Licht geben. Wo die einen
scheitern, eröffnen sich für andere neue Chancen. Nur vordergründig geht es bei diesem
Trend ums Einreißen und Zerstören. Mindestens ebenso wichtig sind die Chancen für
einen kreativen Neuanfang, für die Suche nach besseren Lösungen. Nutzen Sie Ihre
Möglichkeiten! Haben Sie das Vertrauen ins Big Busineß verloren? Dann machen Sie Ihre
eigene kleine Firma auf und nutzen Sie Ihr Wissen. Haben Sie den Glauben an die
etablierten Religionen verloren? Dann schaffen Sie sich Ihre eigenen Rituale: Zen, Yoga,
Meditation und anderes mehr. Finden Sie sich selbst. Haben Sie den Glauben an die
traditionelle Familie verloren? Dann versammeln Sie eine neue Ihrer Wahl um sich. (vgl.
„Clanning"), und sei es über Online-Kontakte. Haben Sie den Glauben an die politische
Führung verloren? Dann werden Sie selbst politisch aktiv und sorgen Sie zum Beispiel
dafür, daß die Enttäuschten zur Wahl gehen und ihren Unmut politisch artikulieren.
16. Trend - S.O.S. - Rettet unsere Gesellschaft
Umweltschutz; Recycling; Müllvermeidung; Artenschutz ... Gutes tun, das schließt auch
Kleinigkeiten ein und die Verbreitung einer entsprechend positiven, hilfsbereiten
Grundeinstellung. Beim 16. Trend kann es um Kleinigkeiten gehen, wie das Aufheben
eines Stücks Papier oder einer Getränkedose auf der Straße. Etwas komplizierter, obwohl
in die gleiche Richtung zielend, ist da schon das Organisieren einer freiwilligen
Hilfstruppe, die einen Strand, ein Flußufer oder ein Waldstück säubert.
Unsere Gesellschaft steht vor einer großen ethischen Debatte. Seit den bedeutenden
Moralphilosophen des 19. Jahrhunderts hat es keine weitrei- chende Diskussion mehr
über ethische Grundsätze gegeben - über das, was richtig und falsch, was gut und böse,
was vertretbar und was unverantwortlich ist. Was wir in den letzten Jahrzehnten im
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben getan (oder auch unterlassen) haben,
gleicht einem Verbrechen gegen die Gesellschaft. Wir haben in einem Zustand ethischer
Verkümmerung dahingelebt. Wie können wir nun der heutigen Jugend ein moralisches
Verantwortungsgefühl vermitteln - ein sicheres Gespür für Richtig und Falsch? Die Erde
wird die Eingriffe der Menschen wahrscheinlich, wenn auch nicht unbeschadet, überleben.
Und unser Trend heißt - wohlgemerkt „Rettet unsere Gesellschaft". Letztlich geht es um
die Rettung der Menschheit, um unsere eigene Rettung.
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